
Mental Health am Arsch
Warum Menschen in guter mentaler Gesundheit keine Hämorrhoidenbeschwerden haben Hämorrhoidenbeschwerden sind kein Schicksal. Zu mir kommen Patienten mit Erkrankungen oder Verletzungen, die urplötzlich auftreten und jeden treffen können, wie eine Analvenenthrombose oder ein Abszeß. Das sind aber Ausnahmen. Bei 9 von 10 Patienten, die mit Beschwerden in meine Praxis kommen, haben diese Beschwerden eine vermeidbare Ursache. Typische Hämorrrhoidenbeschwerden sind Juckreiz, Blut am Papier oder auf dem Stuhl, oder ein Druck- oder Fremdkörpergefühl. Diese Beschwerden entstehen, wenn die Hämorrhoiden vergrößert oder nach außen gerutscht sind. Hämorrhoiden sind Schwellkörper, die viel Blut aufnehmen können. Das sollen sie auch, denn ihre Aufgabe ist es, dem Schließmuskel beim Abdichten des Afters zu helfen. Wir alle haben drei davon. Normalerweise liegen sie als Teil der Enddarmschleimhaut oberhalb des Schließmuskels. Wenn nun aber über Wochen und Monate zu viel Druck auf die Hämorrhoiden einwirkt, häufig durch starkes Pressen oder langes Sitzen auf der Toilette, dehnt sich die Schleimhaut, und die Hämorrhoiden rutschen immer weiter nach außen. Und dann treten die Beschwerden auf. Warum pressen Menschen, und warum sitzen sie lange auf der Toilette? Langes Sitzen ist ein Hobby der meisten Männer. Fast alle Männer nehmen ihr Handy mit auf die Toilette und nehmen sich dort eine längere Auszeit zur Entspannung. Frauen tun das nicht. Die häufigste Ursache von Hämorrhoidenbeschwerden bei Frauen ist das Pressen. Den Satz „Bitte vermeiden Sie das Pressen und sitzen Sie nicht lange auf der Toilette!“ sage ich bestimmt zwanzig Mal am Tag. Was hat die mentale Gesundheit damit zu tun? Für einen geformten Stuhlgang sind drei Faktoren wichtig: Zunächst darf der Darm selbst nicht erkrankt sein. Dann die Ernährung, also viel Flüssigkeit, viele Ballaststoffe und viel Bewegung. Und der dritte Faktor ist die Psyche. Streß und psychische Belastungssituationen sind eine häufige Ursache von Verdauungsbeschwerden, wir sprechen dann von einer „Störung der Darm-Hirn-Achse“. Bei jungen Patienten ist eine starke Streßbelastung, also ein „hoher Mental Load“, besonders häufig. Die Stärkung der mentalen Gesundheit ist kein Extra, worum man sich dann kümmert, wenn gerade nichts Besseres zu tun ist, sondern Voraussetzung für eine gute Darmgesundheit. Auch darüber spreche ich häufig mit meinen Patienten, weil viele Menschen unterschätzen, wie wichtig eine stabile Psyche und eine hohe Resilienz für die Gesundheit sind. Nicht weniger wichtig als gute Ernährung, Bewegung und Schlaf. Sich um seine mentale Gesundheit zu kümmern ist mindestens so aufwendig wie das Kümmern um die körperliche Gesundheit. Eher noch komplizierter, weil die Faktoren, die für die körperliche Gesundheit wichtig sind, für die meisten Menschen sehr ähnlich sind, während die Arbeit an der mentalen Gesundheit sehr individuell ist – so individuell wie die Persönlichkeit des Menschen.
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