KI in der Grenzkontrolle: Blaupause für das Gesundheitswesen?

Ob digitale Diagnosen oder medizinischer Fortschritt: Künstliche Intelligenz (KI) kann die Versorgung verbessern und Gesundheitseinrichtungen entlasten. Was in anderen Ländern bereits zum Alltag gehört, ist in Deutschland größtenteils noch Zukunftsmusik. Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit stehen der Umsetzung im Weg. Dabei schließen sich KI-Innovationen und der Schutz sensibler Daten nicht aus. In einem hochsicheren Bereich wie der Grenzkontrolle funktioniert das schon seit Jahren. Drei Anwendungsfälle zeigen, wie sich die dabei eingesetzten Technologien und Erfahrungen auf das Gesundheitswesen übertragen lassen.

Sichere Identitäten: Vertrauenswürdige Kommunikation aller Beteiligten

Spezielle Technologien zur Erkennung von Bildmanipulationen analysieren kleinste Abweichungen in Gesichtern oder anderen Bilddaten. Im Bereich der automatisierten Grenzkontrolle wird die sogenannte Morphing-Attack-Detection (MAD) eingesetzt, um Identitätsdiebstahl festzustellen. Die Technologie erkennt manipulierte Bilder, die beispielsweise entstehen können, wenn die Gesichter zweier Personen digital verschmolzen werden. Dafür wird im System vorab ein Identitätsnachweis hinterlegt. Die KI analysiert die Bilddaten und erkennt kleinste Abweichungen, um so Deepfakes oder Identitätsbetrug aufzudecken.

Im Gesundheitswesen kann solch eine Technologie den sicheren Zugriff auf die elektronische Patientenakte (ePA) oder andere digitale Gesundheitsanwendungen ermöglichen. Denn für eine sichere Kommunikation zwischen Systemen, Netzwerken und Personen müssen alle Komponenten einander vertrauen, sich also eindeutig authentifizieren können. Dies gelingt mithilfe digitaler Identitäten, durch die Nutzende eindeutig erkannt und zugeordnet werden.

Digitale Diagnostik: Frühzeitige Erkennung von Krankheiten

Mithilfe KI-gestützter Bild- und Mustererkennung lassen sich auch Krankheiten frühzeitig erkennen: Statt die Identität einer Person zu überprüfen, analysiert die KI dabei medizinische Bilddaten oder äußerlich sichtbare Veränderungen wie rote Augen, glänzende Haut oder eingefallene Gesichtszüge. Dadurch lassen sich Hinweise auf mögliche Erkrankungen anhand von Hautveränderungen, Entzündungsanzeichen oder anderen Auffälligkeiten feststellen.

Die Muster, die KI-Systeme erkennen, sind für das menschliche Auge nur schwer sichtbar. In digitalen Gesundheitsterminals lässt sich diese Mustererkennung nutzen, um Ärzt*innen bei Diagnosen zu unterstützen. Solche Terminals könnten künftig das Patientenmanagement übernehmen, erste Untersuchungen durchführen und so die Überweisung zu weiterführenden Untersuchungen beschleunigen.

Medizinische Forschung: Bessere Behandlungsmethoden

Auch in der medizinischen Forschung bietet KI großes Potenzial. Die Technologie ermöglicht es, Datenmengen sicher zu analysieren und relevante Informationen schneller zu finden. Besonders interessant ist KI für Forschungsdaten und Informationen aus der ePA. Durch die strukturierte Analyse von Daten lassen sich Zusammenhänge zwischen Symptomen, Krankheitsverläufen und Behandlungsmethoden besser erkennen.

Entscheidend ist der hohe Anspruch an den Datenschutz und die Datensouveränität, der zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein muss. Nur so lassen sich Sicherheit und Vertrauen in digitale Lösungen vereinen. Damit Forschungsdaten sicher genutzt werden können, braucht es neben klaren Zugriffsrechten auch eine souveräne Infrastruktur – etwa durch vertrauenswürdige Cloud-Systeme mit voller Kontrolle über die eigenen Daten. Beides ist auch im sicherheitskritischen Bereich der Grenzkontrolle Standard.

Innovation hin oder her: Medizinisches Personal bleibt unerlässlich

Die konkreten Anwendungsfälle zeigen, dass sich Innovationen und Datenschutz nicht ausschließen. Richtig eingesetzt können KI-gestützte Verfahren medizinischen Fortschritt beschleunigen und die Patientenversorgung verbessern. Sichere digitale Identitäten, klare Zugriffsrechte und vertrauenswürdige Infrastrukturen schaffen die Grundlage dafür, sensible Gesundheitsdaten verantwortungsvoll zu nutzen.

Dabei wird die Technologie die ärztliche Expertise unterstützen, nicht ersetzen. Denn auch im KI-Zeitalter bleiben Erfahrung und Fachwissen des medizinischen Personals unersetzlich.

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Markus Linnemann
Vice President eHealth I secunet Security Networks AG